Was tun wenn Sprechen und Schlucken zum Problem wird? (02.05.2012)

Fr. A. Dammalage, Dipl. Logopädin (Tel: 01/ 892 93 80)

Leitmotiv in der Logopädie!
Das
allgemeine Prinzip in der Logopädie gilt auch in der Betreuung von
Schluck- und Spechproblemen bei ALS-Patienten: rasches Erkennen der
aktuellen Bedürfnisse des Patienten sowie leichte und sofortige
Umsetzbarkeit der notwendigen Übungen im Alltag.

Ziele der Therapie?
Am
Sprech- und Schluckakt sind unzählige Muskeln- und Muskelgruppen im
Bereich der Mund-, Rachen-, und Schlundregion beteiligt und es gilt
diese Muskeln so früh wie möglich durch Kräftigungs- und
Artikulationsübungen zu stärken und ihre Funktion so lange wie möglich
zu erhalten.

Wann soll eine Therapie begonnen werden?
Schon
bei den ersten Hinweisen auf eine beginnende Sprach- und Schluckstörung
sollte mit einer gezielten Therapie begonnen werden, vor allem wenn
eine bulbäre Verlaufsform der ALS bekannt ist. Bei anderen Formen der
ALS ist eine logopädische Therapie im Verlauf der Erkrankung
möglicherweise nie erforderlich.
Die vorgeschlagenen Übungen dienen
in erster Linie der Erhaltung der Mundmotorik. Durch aktive und passive
Übungen soll die Beweglichkeit und Koordination von Lippen, Kiefer,
Wangen, Zunge und Gaumensegel so lange wie möglich erhalten bleiben.
Die Übungen sollen aber nicht öfter als einmal täglich gemacht werden, um eine Überanstrengung der Muskulatur zu vermeiden.

Welche Bereiche umfaßt die Logopädie?
1.    Atmungswahrnehmung
2.    Stimmbildung
3.    Körperhaltung
4.    Schluckvorgang
wobei Schluck- und Sprechübungen denselben Ansatzpunkt, im Mund-, Rachen-, und Schlundraum haben.

ad 1)
Die richtige Atemtechnik ist für das Sprechen ganz wesentlich. So kann
man mit entspechender Technik die Tonhöhe, die Melodie sowie den
Rhythmus modifzieren und so auch eine leise Stimme noch verständlich
machen. Atemtechnik umfaßt das Erlernen von Bauch- und Volumenatmung
sowie eine gezielte Verlängerung der Ausatmung.
Wird die Sprache
trotzdem immer unverständlicher werden mit dem Patienten
Ersatzstrategien, wie zB Alphabettafeln etc erarbeitet, beziehungsweise
der Einsatz von elektronischen Kommunikationsgeräten diskutiert und die
Anwendung derselben probiert.

ad 2+3) Sowohl für die
Stimmbildung wie auch für den Schluckvorgang ist die richtige
Körperhaltung von entscheidender Bedeutung und wird regelmäßig in den
Therapiestunden geübt und auch überprüft.

ad 4) Am Beginn
der Theapie steht immer eine genaue Untersuchung der noch vorhandenen
Möglichkeiten des Schluckens um verschlucken zu verhindern. Hierbei ist
auch die Nahrungskosistenz und –beschaffenheit von großer Bedeutung.


Prinzipiell werden 3 Maßnahmen zur Verbesserung des Schluckvorganges unterschieden:

1. restituierende Maßnahmen
Darunter verstehen wir Stimulationstechniken des Schluckreflexes wie:
a)    Setzen eines Kältereizes am Mundboden
b)    Unmittelbar vor dem 1. Bissen mit einem Eiswürfel entlang dem Hals und Unterkiefer streichen
c)  
 mit dem Stiel des Löffels einen leichten Druck auf die Zungenmitte
ausüben, oder langsam vom Zungengrund zur Zungenspitze streichen usw

2. kompensatorische Maßnahmen
Dazu gehören spezifische Schlucktechniken wie:
a)    Vorbeugen des Kopfes beim schlucken
b)    Langsame Nahrungsaufnahme mit ausreichend langen Pausen
c)    Auslösen des Schlukreflexes durch unterstützendes Hinführen des Armes zum Mund
d)    Saure Speisen lösen eher den Reflex aus als Süße
e)    Versuch vor dem nächsten Bissen “leer zu schlucken“
f)    Erlernen von speziellen Schlucktechniken: zB supraglotisches Schlucken
g)    Zungenspitze während des Schluckens an den Gaumen preßen usw

3. adaptive Maßnahmen
Dazu zählen
a)    das richtige platzieren der Nahrung im Mund
b)    Ess- und Trinkhilfen (zB Nasenkerbenbecher, ist dem Schnabelbecher
vorzuziehen, da man den Kopf beim trinken nicht in den Nacken legen muß)
usw

All diese Maßnahmen sind mit diplomierten Logopäden erlernbar und stellen eine große Hilfe im täglichen Leben dar.

Wie komme ich zu einer logopädischen Behandlung? (gilt nur für Österreich)
Eine aktuelle Adressenliste aller Logopäden ist unter www.logopaedieaustria.at
-TherapeutInnensuche
-bei Therapiebereich unter „Neurologische Sprechstörungen bzw „Schluckstörungen“ abrufbar
Weiters  benötigt man eine Verordnung durch einen Facharzt (Neurologen). Hat
der/die Logopäde/in einen Vertrag mit der Krankenkasse so wird direkt
verrechnet, wenn nicht erfolgt die Bezahlung privat und die Krankenkasse
erstattet einen Anteil der Kosten zurück.